Schloss Einstein Folge 724

Hier eine Folge der beliebten Kinderserie "Schloss Einstein", wo nebenbei meine heiß geliebte Brachypelma smithi Dame mitspielen durfte. Es war ein sehr schöner Drehtag gewesen der ganz gut dazu beigetragen hat Ängste abzubauen sowie  Kindern dieses Hobby etwas näher zu bringen. Ein ganz dickes Lob geht hiermit auch an Janina Elkin und Marie Borchardt die sich wirklich sehr gut gemacht haben dabei :-)

 

 

 


Kupferstich von Maria Sibylla Merian aus Metamorphosis Insectorium Surinamensium, 1705

Guajavesbaum mit Spinnen und Kolibri

                        Guajavazweig mit Spinne und Kolibri, handkoloriert 1705

Metamorphosis insectorium surinamensium  ist das schon von Zeitgenossen bewunderte Hauptwerk der Naturforscherin, eine Sammlung von Kupferstichen und zugehörigen Texten, in der sie die Lebenszyklen von Insekten in der damals niederländischen Kolonie Suriname darstellte und beschrieb. Maria Sibylla Merian (1647 - 1717), Tochter des Verlegers und Stechers Matthäus Merian hatte schon mit 13 Jahren begonnen, Insekten und Pflanzen nach der Natur zu malen. Sie sammelte verschiedenste Raupen aus der Umgebung ihrer Geburtsstadt Frankfurt am Main, um deren Verwandlung zu studieren. Die Erforschung und Darstellung von Insekten, spielte eine große Rolle in ihren weiteren Leben. Erstmals erfuhr sie 1685 von der tropischen Flora und Fauna Südamerikas. In mehreren Naturaliensammlungen Amsterdams vertiefte sie bis in die 90er Jahre ihre Eindrücke, merkte aber schnell das dort kaum oder gar nicht auf die Metamorphose der Insekten und deren verschiedenen Entwicklungsstadien eingegangen wurde. Der Mangel an Informationen veranlasste sie dazu eine Reise nach Surinam vorzubereiten, obwohl Freunde und Bekannte sie vor dem gesundheitlich schädlichen Klima warnten. Im Juni 1699 reiste sie mit ihrer jüngeren, damals 21 jährigen Tochter Dorothea Maria nach Surinam, um die Flora und Fauna zu erforschen. Begleitet von Einheimischen zogen sie früh morgens auf kaum begehbaren Buschpfaden in die Wälder, um Insekten auf ihren jeweiligen Wirtspflanzen zu beobachten und zu sammeln. Angesichts der großen tropischen Artenvielfalt dehnten die beiden ihr ursprüngliches Forschungsprogramm erheblich aus. Abends würden die neuen Funde präpariert und gekennzeichnet - eine rasche Auswertung aller Präperate zwangen sie aufgrund des feuchtheißen Klimas dazu, da sie nicht konserviert werden konnten. Nach einen zweijährigen Aufenthalt in Surinam, war die mittlerweile 54 jährige Forscherin den Anstrengungen nicht weiter gewachsen und erkrankte heftig an Malaria. Am 23.09.1701 trafen beide wieder in Amsterdam ein. Zurück in Holland entschloss sie sich, auf Drängen von Naturliebhabern, diesechzig mitgebrachten Zeichnungen stechen zu lassen.

Zwischen 1702 - 1705, Maria Sibylla war immer noch stark gesundheitlich angeschlagen entschied sie sich dazu und bereitete ihr großes Werk über die surinamische Flora und Fauna vor. Auf das Titelblatt ließ sie drucken:

 " Metamorphosis Insectorum Surinamensium " oder " Verwandlung der Surinamischen Insekten ". Ende 1702 war dann die Planung der Edition die 60 Bildtafeln beinhaltete abgeschlossen und lagen als Pergamentmalerei vor. Die Künstlerin konnte von diesen selbst nur drei in Kupfer stechen (Nr. XI, XIV, und XXXV), die anderen wurden von anderen renomierten Künstlern wie Pieter Sluyter (35), Joseph Mulder (21) und Daniel Stoopendael (1) übernommen. Dazugehörige Texte wurden von Merian selbst geschrieben, zog aber für wissenschaftliche Anmerkungen einen guten Bekannten der damals Leiter im Botanischen Gartens in Amsterdam war, zu rate. Eines der berühmtesten Blätter des Werkes zeigt im Ausschnitt eine große, haarige Spinne mitsamt erbeuteten Kolibri. Dieses Bild war es, dass den Systematiker Linne´ dazu veranlasste, das Tier Aranea avicularia (von lateinisch:  avis = der Vogel, avicula = der kleine Vogel, avicularia = einem kleinen Vogel ähnlich) zu nennen - und so erhielten diese Spinnen den Namen " Vogelspinnen ". Dies spiegelt sich in den wissenschaftlichen Gattungsnamen Avicularia avicularia wieder.

Zitat: " Auf diesem Blatt stelle ich Spinnen, Ameisen und Kolibris auf einem Guajavazweig vor, weil ich die größten Spinnen an den Guajavabäumen gefunden habe. Solch großen schwarzen Spinnen habe ich viel auf den Guajavabäumen gefunden. Sie wohnen in einen solchen runden Nest wie es das Gespinst der Raupen darstellt. Sie spinnen keine langen Fäden, wie uns einige Reisende weiß machen wollten. Sie sind rundum voller Haar und haben scharfe Zähne, mit denen sie gefährlich beißen können. Dabei lassen sie gleichzeitig eine Flüssigkeit in die Wunde fließen. Ihr gewöhnliches Futter sind Ameisen die ihnen nicht entgehen, wenn sie den Baum hinauflaufen, weil diese Spinnen ( wie alle anderen ) acht Augen haben. Mit zwei sehen sie nach oben, mit zwei nach rechts und mit zwei nach links. Sie holen in Ermangelung von Ameisen auch die kleinen Vögel aus den Nestern und saugen ihnen das Blut aus dem Körper. Sie häuten sich von Zeit zu Zeit wie die Raupen aber ich habe nie fliegende gefunden ".

Lange Zeit zweifelte man an der Glaubwürdigkeit dieser Naturbeobachtungen, zumal Merian mehrere Fehler auf ihrem Bild unterliefen, die aber den Wert dieses herrlichen Werkes in keiner Weise schmälern. So sind die Vogelspinnen nur mit einer anstatt zwei Krallen abgebildet und bei der Hühnereigroßen Wohnhöhle der Spinne wird es sich wohl um ein Nest gehandelt haben. Die Beobachtungen, dass die baumbewohnenden Vogelspinnen der Gattung Avicularia insbesondere Kolibris erbeuten können, scheint heute nicht nur glaubhaft, sondern ausgesprochen wahrscheinlich zu sein, kennt man die Lebensweise der Vögel: Viele Kolibris benötigen zur Anfertigung ihrer kunstvollen Nester Spinnfäden, die sie aktiv suchen und mit ihren Schnabel aufsammeln. Die Spinnen der Gattung Avicularia legen, oft weithin sichtbar, große Wohngespinnste an, die von den Vögeln im Schwirrflug auf Tauglichkeit als Nistmaterial untersucht werden. Gerade der bekannte Schwirrflug der Kolibris entspricht oft dem Bewegungsmuster fliegender Insekten. Terrarienbeobachtungen zeigen, dass flatternde, brummende Insekten einen starken Beutereiz auf Avicularia ausüben.

Der Autorin unterliefen weitere unvermeindlich sachliche Fehler, so fügte sie versehentlich ein Insekt aus zwei unterschiedlichen Teilen zusammen. Früchte hingen nicht immer an den dazugehörigen Baum oder die Schmetterlingsraupen saßen nicht auf den richtigen Futterpflanzen. Einige Wissenslücken wurden mit unhaltbaren Hypothesen geschlossen, mit der Merian recht unbefangen umging.

Zitat: " Den schönen schwarzen mit roten und gelben Flecken verzierten und auf der Frucht sitzenden Käfer habe ich wegen seiner Seltenheit hier hingesetzt, um den Stich auszufüllen und zu schmücken, obwohl ich seine Herkunft nicht kenne. Ich will seine Erforschung gern anderen überlassen".

Zoologen der kommenden zwei Jahrhunderte kritisierten Merian für solche Ungenauigkeiten. Die Kritiker verkannten mit solch  einer unhistorischen Betrachtungsweise, ein Werk der Vergangenheit.  Nicht nur ihre wissenschaftlichen Verdienste in dieser Zeit, sondern auch ihre vor allem großen künstlerischen Leistungen. Die einfühlsam gezeichneten, sorgfältig kolorierten und kunsvoll komponierten Bildtafeln gelten noch heute als grafische Meisterwerke, die Erstdrucke zählen mit zu den bibliophilen Kostbarkeiten. Hinzu kommen die auch kulturhistorisch aufschlussreichen Texte zu den einzelnen Tafeln. Merian erklärte dazu in der Einleitung:

Zitat: Ich hätte den Text wohl ausführlicher gestalten können, da aber die heutige Welt sehr feinfühlig ist und die Ansichten der Gelehrten unterschiedlich ist, bin ich einfach nur bei meinen Beobachtungen geblieben. Ich liefere dadurch Stoff, aus dem jeder nach eigenem Sinn und eigener Meinung Schlüsse ziehen ... kann ".

Zu diesem Stoff gehörten neben den naturwissenschaftlichen Beobachtungen ihre Bemerkungen über wirtschaftlich kaum genutzte Wildpflanzen - Kirschen, Pflaumen, Feigen und Vanille -, über die Probleme. Ansichten und Gewohnheiten der indigenen Bevölkerung und über die Engstirnigkeit der weißen Pflanzer, die nichts anderes kannten als den Gelderwerb durch Zuckeranbau und für die " weltfremde " Forscherin nur Spott übrig hatten. Die Kolonisten nahmen ihr auch gesellschaftskritische Anmerkungen über die Lebensumstände der Negersklaven übel - sie berichtet etwa von Selbstmorden misshandelter Arbeiter und der weit verbreiteten Hoffnung, in einem freien Staat wiedergeboren zu werden. Ein größerer Teil der Texte handelt von Geschmack und Zubereitung der einzelnen Pflanzen und Früchte sowie von deren Anwendung als Heilmittel. 

Nachdem Maria Sibylla Merian 1717 gestorben war, erschienen im 18 Jahrhundert noch vier Nachdrucke unter Verwendung der originalen Kupferplatten. Keiner von ihnen erreichte die künstlerische Vollkommenheit der von Merian selbst kolorierten Erstausgabe. Zunächst kaufte der Amsterdamer Verlag Johannes Oosterwijk die Druckanlage und gab das Werk 1719 neu heraus, wieder in je einer lateinischen und einer niederländischen Ausgabe. Zu den ursprünglich 60 Bildtafeln kamen zwölf weiter hinzu - zehn wurden im Nachlass der Künstlerin gefunden, zwei entstanden neu nach Zeichnungen aus dem Naturalienkabinett des Sammlers Albertus Seba. Der lateinische Titel lautet jetzt: Dissertatio de generatione et metamorphosis insectorium surinamensium. Ein Nachdruck des erweiterten Werkes erschien 1726 bei Peter Gosse im Haag, nun mit zwiespaltig nebeneinander gedruckten lateinischen und französischen Text und unter dem Titel Histoire des insectes de l´Amerique. Bei Bernhard in Amsterdam kam 1730 eine im Bildteil unveränderte holländische Ausgabe heraus und im Verlag Desnos in Paris 1771 eine zweibändige französische Fassung von mehrmals geringer Qualität, die neben den surinamischen auch die europäischen Insekten enthielt.